Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation

Benutzerspezifische Werkzeuge
Anmelden
Sektionen
Sie sind hier: Startseite Kantonaler Prozess Reformprozess KirchGemeindePlus Die Herausforderung

Die Herausforderung

In den Landregionenen des Kantons traten zwischen 2010 und 2012 gleich viele Mitglieder aus der Kirche aus wie in den zehn Jahren (2000 bis 2010) zuvor. Das ist eine enorme Beschleunigung, die vor allem kleinere Kirchgemeinden herausfordert.

Die reformierte Kirche im Kanton Zürich ist ihrem Selbstverständnis «Volkskirche». Als solche leistet sie «ihren Dienst in der Offenheit gegenüber der ganzen Gesellschaft». Sie «ist den Menschen nah und spricht sie in ihrer Vielfalt an».

Dieser Idealität, wie sie Artikel 5 der Kirchenordnung zeichnet, steht eine komplexere Realität gegenüber. Einerseits ist die Kirche den Menschen tatsächlich nah, wie ihre eindrücklichen Leistungen in der Bildung, im Sozialen und in der Kultur belegen: Rund eine Million Menschen nutzen jedes Jahr Aktivitäten in diesen Bereichen. Dazu kommen rund 200'000 Seelsorgegespräche. Freiwillige leisten jährlich gegen eine Million Einsatzstunden. Diese Leistungen sind auch aus Sicht des Staates von gesamtgesellschaftlicher Bedeutung, und werden deshalb von ihm unterstützt.

Anderseits schrumpft die Mitgliederanzahl der reformierten Kirche durch Austritte und Abdankungen, denen weniger Eintritte gegenüber stehen: Als 1967 die vorherige Kirchenordnung in Kraft trat, umfasste die Landeskirche Zürich mit rund 625'000 Mitgliedern fast 70% der Bevölkerung des Kantons Zürich. 2010, bei der Inkraftsetzung der heutigen Kirchenordnung, machten die 475'000 Mitglieder nur noch einen Anteil von rund 35% der kantonalen Bevölkerung aus. 2024 bilden voraussichtlich 410'000 Reformierte einen Bevölkerungsanteil von noch 25%. Und die heutigen Mitglieder weisen bestimmte Merkmale auf: Eine Studie, die 2011 für die Landeskirche durchgeführt wurde, teilt Personen als jeweils zugehörig zu einem von zehn lebensweltlichen Milieus ein. Die Studie zeigt, dass die reformierte Kirche im Kanton Zürich nur noch zwei bis drei Milieus anspricht. Auch ist das Durchschnittsalter der reformierten Bevölkerung höher als das der Gesamtgesellschaft; 25% der Mitglieder sind 65-jährig oder älter.

Erstens einen trägt die demographische Entwicklung zu diesem Schrumpfungsphänomen bei, etwas, das hinzunehmen ist. Zweitens wird es mit verursacht durch Megatrends wie Individualisierung, religiöse Pluralisierung und Zunahme von Konfessionslosen. Auch sinkt mit der Iindividualisierung generell die Bereitschaft, sich für Kirche oder andere Institutionen und Organisationen zu engagieren.

Der Mitgliederverlust ist für die reformierte Kirche nicht zuletzt aufgrund ihres Selbstverständnisses herausfordernd: Als "Volkskirche" ist es eine Provokation, wenn ihr die Menschen davonlaufen. Es provoziert, zu handeln, orientiert beispielsweise an Fragen, wie sie etwa die NZZ im Kommentar "Kirche ist keine Dienstleistung" (22.9.2012) angesprochen hat: «Wie können die Reformierten in einer von religiöser Gleichgültigkeit geprägten Gesellschaft spirituelle Akzente setzen? Wie können sie ihre Position als moralische Instanz in gesellschaftlichen und politischen Debatten vertreten? Kann die reformierte Kirche Volkskirche sein, wenn sie nur noch eine Minderheit der Bevölkerung direkt erreicht?»