Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation

Benutzerspezifische Werkzeuge
Anmelden
Sektionen
Sie sind hier: Startseite Kantonaler Prozess Chronologie Juli 2016

Juli 2016

Synodebericht KirchGemeindePlus

Antrag und Bericht des Kirchenrats an die Kirchensynode betreffend KirchGemeindePlus (Synodesitzung vom 5. Juli 2016)

 

 

Verhaltenes Ja zu «KirchGemeindePlus»

39 Kirchgemeinden statt wie heute 174? Die reformierte Landeskirche gibt einen Reformplan in die Vernehmlassung, der einen Vorschlag skizziert, wie sich Kirchgemeinden zusammenschliessen könnten. Die Kirchensynode stützt den Prozess, sie will aber keinen Zwang ausüben, sondern die Tür offen lassen für alternative Zusammenarbeitsformen.

Der Reformprozess «KirchGemeindePlus», der die Zusammenlegung von Kirchgemeinden anvisiert, läuft seit 2012. Mehrere Zusammenschlüsse haben bereits stattgefunden, jüngst im Wehntal und im Flaachtal. Im letzten November legte der Kirchenrat der Kirchensynode einen Bericht zu «KirchGemeindePlus» vor, in dem die nächste Phase des Prozesses skizziert wurde. Das Kirchen-parlament wies den Bericht jedoch zurück und forderte mehr Klarheit. An der Synodeversammlung vom 5. Juli legte der Kirchenrat nun einen Zusatzbericht vor, der die im November aufgeworfenen Fragen beantwortet. Der Zusatzbericht enthält zudem einen Reformplan, der in eine breite Vernehmlassung gegeben und 2017 zusammen mit der Vernehmlassungsauswertung erneut der Kirchensynode vorgelegt werden soll.

Kirchenrat Daniel Reuter betonte vor der Synode, dass der Kirchenrat grundsätzlich an der inhaltlichen Stossrichtung von «KirchGemeindePlus» festhalten will, insbesondere am Ziel des bereits im letzten Bericht formulierten «dritten Weges»: Der Kirchenrat skizziert darin eine Strategie zwischen institutioneller, territorialer Volkskirche auf der einen und engagierter Beteiligungskirche auf der anderen Seite. Vor diesem Hintergrund sollen die Kirchgemeinden mindestens so gross sein, dass sie den gesellschaftlich erwarteten «Service public» in guter Qualität erbringen können. Und sie sollen höchstens so gross sein, dass die Nähe zu den Mitgliedern gewährleistet ist.

Im Reformplan entwirft der Kirchenrat eine mögliche Karte der künftigen reformierten Kirchgemein-den im Kanton. Offen bleiben dabei grössere Schritte über dieses Minimum hinaus sowie Zwischenschritte in Form von Zusammenarbeits-Vereinbarungen und nicht zuletzt auch alternative Zusammenschlusspaarungen, die aus basisdemokratischen Prozessen entstehen. Gemäss Kirchenrat sollen die neuen Strukturen bis 2019 implementiert sein. Er nimmt aber auf die unterschiedlichen Tempi in den Kirchgemeinden Rücksicht und hat deshalb vier Zeitfenster definiert, in denen die Kirchensynode Zusammenschlüsse bewilligt. Das letzte liegt im Jahr 2023.

Weitere Zusammenarbeitsformen gefordert

Die vorberatende Kommission unterstützte an der Synodeversammlung die grundsätzliche Stoss-richtung von «KirchGemeindePlus». Vom Bericht des Kirchenrates wollte die Kommission allerdings Seite 2 von 2

nicht zustimmend Kenntnis nehmen, weil gemäss deren Präsident, Urs-Christoph Dieterle, wesentliche Fragen nach wie vor unbeantwortet geblieben seien. Nicht einverstanden war die Kommission insbesondere damit, dass nur Zusammenschlüsse von Kirchgemeinden in Frage kommen sollen und nicht auch alternative Zusammenarbeitsmodelle wie beispielsweise Verbände. Dieterle betonte, dass die Kirchgemeinden die Kooperationsformen selber bestimmen sollen und deshalb in der an-stehenden Vernehmlassung auch zu alternativen Modellen zu befragen sind.

Geschäftsprüfungskommission, Finanzkommission und die Fraktionen der Kirchensynode wiesen zwar ihrerseits auf offene Fragen und auf die Unsicherheiten und Unwägbarkeiten des ganzen Pro-zesses hin, zeigten sich aber mehrheitlich von der Notwendigkeit des Reformprojekts überzeugt. Einzig Willi Honegger äusserte im Namen der Evangelisch-kirchlichen Fraktion grundsätzliche Skepsis gegenüber der Priorisierung grösserer Kirchgemeinden und warnte davor, eine jahrhundertealte Struktur ohne fundierte theologische Diskussion aufs Spiel zu setzen. Sein Antrag auf Nicht-eintreten auf die Vorlage fand jedoch keine Mehrheit.

In der Diskussion gingen die Meinungen erwartungsgemäss auseinander und spiegelten teils auch den unterschiedlichen Stand des Prozesses in den Regionen. Rosmarie Egli, Dürnten, appellierte an die Synodalen, die Reformwilligen nun nicht auszubremsen, sondern gegenüber den Kirchgemeinden ein mutiges Zeichen zu setzen. Lukas Maurer, Rüti, betonte, dass «KirchGemeindePlus» in kleinen Kirchgemeinden nicht die Lösung, sondern das Problem sei; kleine Gemeinden sollten daher nicht zum Zusammenschluss gezwungen werden, weder jetzt noch später. Dieser Sichtweise folgte die Kirchensynode und beauftragte den Kirchenrat, weitere denkbare Formen, wie die Zusammenarbeit organisiert werden könnte, in die Vernehmlassung aufzunehmen.

Zu diskutieren gab weiter die Frage, wie sich die künftigen, grösseren Kirchgemeinden intern organisieren sollen. Der Kirchenrat schreibt in seinem Bericht, dass er keine selbständigen Substrukturen will. Hans Martin Aeppli, Oberwinterthur, und Andrea Widmer Graf, Zürich-Wollishofen, wiesen demgegenüber darauf hin, dass die Kompetenzen innerhalb der Kirchgemeinden sorgfältig auszugestalten und auf die Kirchgemeindegrösse abzustimmen seien. Die Kirchensynode beauftragte den Kirchenrat, bis Ende Jahr entsprechende Organisationsmodelle zu konkretisieren.

Am Ende beschloss die Kirchensynode mit grossem Mehr, den Bericht des Kirchenrates und den Reformplan zur Kenntnis zu nehmen, den Bericht aufgrund der noch offenen Fragen, die auch im Rahmen einer noch hängigen Motion zu «KirchGemeindePlus» zu beantworten sind, allerdings nicht zustimmend.

Protest gegen Abschaffung der Frauenordination in Lettland

In einer Fraktionserklärung äusserte die Religiös-soziale Fraktion der Kirchensynode ihr Befremden, ihr Bedauern und ihre Verärgerung über die kürzlich erfolgte Abschaffung der Frauenordination in der lutherischen Kirche Lettlands. Die theologische Argumentation, mit der dieser Entscheid begründet wurde, sei haltlos, sagte Jacqueline Sonego-Mettner im Namen der Fraktion. Der Be-schluss sei ein Rückschritt, der nicht in die Zukunft führe, sondern in eine Sackgasse.

In weiteren Geschäften verabschiedete die Kirchensynode den Jahresbericht 2015 der Landeskirche ohne Gegenstimme.

Druckversion