Kreativ umgenutzt: Andere Kirchen

Manche Kirchgemeinden überlegen, Räumlichkeiten an andere Kirchen vermieten.

Eine evangelische Migrationskirche im Zentrum für Migrationskirchen in Zürich

Bettina Lichtler

Bettina Lichtler, zuständig für Beziehungen und Ökumene in der Evangelisch-Reformierten Landeskirche des Kantons Zürich, erläutert Details:

Infobox – zum Herunterladen:

Wer sich trotzdem unsicher ist, kann gerne die unten genannten Personen kontaktieren.

F: Andere Kirchen – was versteht die Landeskirche darunter?

A: Kirchen sind christliche Glaubensgemeinschaften. In Glaubensfragen orientieren sie sich an der Bibel und dort insbesondere an dem, was von Jesus Christus berichtet wird. Andere Religionen haben andere massgebliche Bücher oder Quellen für ihren Glauben. Die Landeskirche steht mit vielen Kirchen in ökumenischer Verbindung und ist mit ihnen gemeinsam unterwegs. Konkret äussert sich das in gemeinsamen Feiern, Gebeten und Zusammenarbeit in verschiedenen Projekten. Der Dialog wird in Vereinigungen wie der Schweizerischen Evangelischen Allianz oder der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen im Kanton Zürich – AGCK ZH gepflegt.

F: Du sagtest, dass viele Kirchen nach Räumen suchen, ob temporär oder dauerhaft.

A: Ja. Vor allem im Grossraum Zürich sind Räumlichkeiten gesucht, gerne auch mit Parkplätzen – der Einzugsbereich von Glaubensgemeinschaften kann gross sein –, und mit einer Küche und weiteren Aufenthaltsräumen. Denn häufig gibt es nach einem Gottesdienst ein gemeinsames Essen. Und es kommen Familien mit Kindern. Die freuen sich über eine Spielecke.

F: Andere Kirchen mögen unterschiedliche Anforderungen an die Räumlichkeiten stellen. Welche sind die häufigsten, und inwieweit schlägt sich das Umbaumassnahmen nieder?

Orthodoxe Kirchen bei einer Feier in Zürich

A: Umbaumassnahmen sind selten notwendig.  Orthodoxe Kirchen haben häufig eine Ikonenwand, allenfalls stellen oder hängen sie Ikonenbilder auf. Sie verwenden Weihrauch und teilweise viele Kerzen. Migrationskirchen mit evangelischem Hintergrund brauchen meistens Mikrofone und eine Verstärkeranlage, da viele eine Band in ihren Gottesdienst integrieren. Mitunter nutzen sie auch Bildschirme oder Beamer und Leinwand.

F: Frei heraus: „Lohnt“ sich die Vermietung für Kirchgemeinden?

A:  Migrationskirchen können durchaus etwas Miete bezahlen und sollen es auch. Sie können aber häufig nur bescheidene Mittel aufbringen. Wer allerdings bei einer solchen Vermietung nur den finanziellen Nutzen im Auge hat, blickt zu kurz: Migrationskirchen leisten mit kleinen Ressourcen einen grossen Beitrag zur Integration von Menschen ganz unterschiedlicher Herkunft. Und wir können sie unter anderem mit unseren Räumlichkeiten dabei unterstützen und bei ökumenischen Begegnungen voneinander lernen.

F: Stichwort Ökumene – wenn Kirchgemeinden in Erwägung ziehen, an andere Kirchen etwas zu vermieten, was sollte ihnen bewusst sein?

A: Kurz gesagt: Dass sie bei Migrationskirchen mit einer anderen Kultur in Kontakt kommen. Idealerweise begreift eine Kirchgemeinde es als ein Projekt, das nicht nur Vermietung, sondern auch Begegnung einschliesst. Klare Abmachungen sind wichtig, aber auch intensive Gespräche und Begleitung am Anfang. Denn Mündliches ist in manchen Kulturen verbindlicher als Schriftliches. Am besten gibt es eine Ansprechperson seitens der Kirchgemeinde, die mit Freude und Offenheit die Beziehung zur Migrationskirche pflegt und gemeinsame Anlässe fördert. Diese Person agiert als Vermittlerin zwischen den Kulturen. Ganz pragmatisch sollte sie auch einen guten Draht zu Hauswart/-in bzw. Sigrist/-in und zur Kirchenpflege haben.

F: Ein Kümmerer als Erfolgsfaktor also. Was sind denn weitere Faktoren, die zum Gelingen beitragen?

A: Zwei weitere fallen mir noch ein: Sehr hilfreich ist es, über die Vermietung breit zu informieren, und zwar alle, die irgendwie davon tangiert sein könnten: Andere Nutzerinnen und Nutzer der Räumlichkeiten, Gemeindeglieder und Quartierbewohner. Denn Anwohner werden diese Gäste durchaus bemerken. Wenn viele Familien kommen, kann es auch mal laut werden. Die Information können die Kirchgemeinden z.B. auf ihrer Homepage, mittels Artikel im Gemeindeblatt und in der Lokalpresse oder als Aushang streuen.

Zweitens sind Begegnungsanlässe wie etwa ein gemeinsamer ökumenischer Gottesdienst, eventuell mit anschliessendem Essen, der beste Weg, um einander besser kennenzulernen und Vorurteile abzubauen. Solche Begegnungsanlässe können auch breiter abgestützt sein und weitere Mieter, Anwohner und andere lokale Institutionen einbinden, z.B. die römisch-katholische Pfarrei oder das Gemeinschaftszentrum. Man könnte in der Kirchgemeinde eine Kontaktgruppe zur ökumenischen Beziehungspflege gründen.

Kontakte zur Evangelisch-reformierten Landeskirche des Kantons Zürich

Für Fragen zu Kirchen und christlichen Gruppierungen
Bettina Lichtler

044 258 92 74

Für Fragen zu Gruppierungen anderer Religionen
Marc Bundi

044 258 92 65

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