Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation

Benutzerspezifische Werkzeuge
Anmelden
Sektionen
Sie sind hier: Startseite Glossar

Glossar

Das Vokabular zum Reformprozess; denn: Wenn zwei dasselbe sagen, so mögen sie nicht "selbsterklärend" dasselbe meinen.

Um die Absicht mehrerer Kirchgemeinden, grundsätzlich und umfassend zusammen zu arbeiten, festzuhalten empfiehlt der Kirchenrat die gemeinsame Formulierung und Unterzeichnung einer Absichtserklärung. Eine solche Erklärung legt den Stand der Gespräche und Verhandlungen sowie deren Ernsthaftigkeit dar. Sie benennt weitere Felder, in denen Zusammenarbeit angestrebt wird, und sie benennt das Ziel, auf das hin Zusammenarbeit entwickelt wird. Eine Absichtserklärung ist jedoch rechtlich nicht bindend. Es besteht kein Anspruch auf Erreichung des angestrebten Ziels.

Mögliche Inhalte einer Absichtserklärung sind:  
a. Beteiligte Kirchgemeinden
b. Wille zur Zusammenarbeit im Allgemeinen
c. Ziele der Zusammenarbeit (z.B. Zusammenschluss in Zukunft oder binnen bestimmter Dauer oder auch langfristige Zusammenarbeit in allen Handlungsfeldern)  
d. Festhalten der etablierten Formen der Zusammenarbeit  
e. Mögliche Sachgebiete künftiger Zusammenarbeit
f. Institutionalisierte Formen zur Weiterentwicklung und zur Qualitätssicherung der Zusammenarbeit
g. Institutionalisierte Kontakte und Austauschformen  
h. Mandatierung durch die Kirchgemeindeversammlungen  
i. Unterschriften der Präsidien der Kirchenpflegen
Verschiedene Muster für Absichtserklärungen finden sich unter Downloads.

Die meisten Menschen sind für ihre Tätigkeit privatrechtlich angestellt, einige mit befristeten Aufträgen, weil das Projekt befristet ist. Die meisten erfüllen ihren Auftrag im Wissen, dass sie diesen je nach Lage innert Monaten wieder abtreten müssen, aber auch abtreten können. Das gilt auch in der Kirche für die meisten: für Mitarbeitende in Diakonie, Katechese, Verwaltung etc.

Das gilt nicht für die Pfarrschaft und für die Pflegen. Beide werden in ihr Amt gewählt für eine bestimmte Amtsdauer. Mit dem Pfarr-Amt verbanden sich früher Aufgaben wie jene der niedrigen Gerichtsbarkeit, des Schulunterrichts, der Schulaufsicht und der Gemeindeaufsicht. Heute verbleiben dem Pfarramt davon? der Stand des Verbi Divini Minister, respektive der Verbi Divini Ministra (Diener/in am göttlichen Wort) sowie die Schweigepflicht in Seelsorge und Fürsorge. Wo seelische oder ökonomische Not besteht, soll das Pfarramt sich darum sorgen können. Die Verpflichtung auf das Evangelium kann auch dazu führen, sich in bestimmten Fällen gegen den Mainstream der öffentlichen Meinung zu stellen.

Die Amtsdauer von vier Jahren hat sich bewährt. Danach beurteilen die Gemeindeglieder die Arbeit der Pfarrperson. Sie würdigen auch, was das Pfarramt ausstrahlt und wie es ausstrahlt in sämtlichen Handlungsfeldern.

Ebenso würdigen die Gemeindeglieder die Pflegen in der Kirchgemeinde und im Bezirk, sowie im Parlament und im Rat. Da geht es um die Führung der entsprechenden Aufträge zu Leitung und Aufsicht. Damit nicht alle Amt-Tragenden zeitgleich gewählt werden, kennt die Zürcher Kirche gestaffelte Amtsdauern. Für die Pfarrschaft: 2016–2020, für die Kirchenpflegen 2014–2018 etc.

Wie gelingt es uns, mitten in Veränderungsprozessen eine Stabilität zu halten? Wie halten wir Würde und Bürde in einer attraktiven Balance? Wie gelingt es uns, Menschen mit Kompetenzen freiwillig für die Ausgestaltung der Kirche zu gewinnen, sie zu begleiten, zu fördern und zu würdigen?

Die Kirchensynode hat am 10. Januar 2017 einen Rahmenkredit im Umfang von 2.5 Millionen Franken für Projektbeiträge des Kirchenrats an Kirchgemeinden im Rahmen des Projekts KirchGemeindePlus gesprochen. Der Rahmenkredit steht längstens bis Ende 2023 zur Verfügung. Die Anschubfinanzierung ist eine von drei Arten der Beitragsfinanzierung. Jede Kirchgemeinde hat Anspruch auf einmalige Auszahlung aller drei Beiträge, sofern sie die jeweiligen Bedingungen, niedergelegt in den "Leitlinien zur Ausrichtung von Beiträgen an den Aufwand von Kirchgemeinden im Prozess KirchGemeindePlus" erfüllt und rechtzeitig das entsprechende Gesuch einreicht.

Die Unterlagen finden sich hier im Download-Bereich.

Das griechische Fremdwort ist zum modernen Schlagwort geworden. Hervorgegangen aus der Epoche der Aufklärung, verwurzelt im Denken und Handeln der Reformation. Autós heisst selbst, nómos Gesetz. Wer sich selbst das Gesetz des Handelns gibt, ist autonom.

Für die Reformatoren ging es einerseits um den einzelnen Menschen vor seinem Gott: Wer Christ oder Christin ist, steht unmittelbar und unvermittelt vor Gott. Andererseits ging es den Reformatoren darum, solche Erfahrung mit Gott für die Stadt und das Land dienstbar zu machen. Autonomie stand nie nur für das Individuum, sie stand immer zugleich für die Gemeinschaft, die religiöse wie die gesellschaftliche.

So entstand die gesellschaftliche Struktur in der Schweiz von unten nach oben. So profilierte sich ein leitendes politisches Prinzip, das der Subsidiarität: Was die Basis gut löst, muss nicht eine Stufe höher gelöst werden. Das ermöglicht eine gelebte Autonomie.

Autonomie hat ihren Preis, der verdient sein muss. Autonomie kostet die Solidarität mit dem Ganzen. Eine Gemeinde ist solidarisch mit ihrer Region, ein Amtsinhaber mit seinem Berufsstand … Wenn Autonomie nicht verknüpft wird mit Solidarität, ist sie gestohlen.

Die reformierte Ordnung ist daher presbyterial-synodal: Presbyterial bedeutet: Die Interessen der einzelnen Gemeinde stehen im Zentrum. Synodal bedeutet: Die Interessen der gesamten Kirche stehen im Zentrum.

Presbyterial-synodal bedeutet: Beide Realitäten werden wahrgenommen, auch von den je anderen. Beide Realitäten hören einander zu, gleichen ihre Interessen aus und stehen in fortwährendem Dialog.

Wie bringen wir Individuum und Gemeinschaft, Kirchgemeinde und Landeskirche in eine lebendige Balance und halten sie aus?

Die besserwissende Kirche hat gedient, heute hat sie ausgedient! Es hatte damals mit dem kolonialen Muster zu tun, dass weisse Männer wussten, was für schwarze Gesellschaften zu gelten hat. Die Entwicklungszusammenarbeit sieht heute ganz anders aus. Man spricht von Partnerschaften, Hilfe zur Selbsthilfe und Partizipation – Beteiligung. Kirche besteht aus mündigen Menschen, die sich an der Kirche beteiligen. Kirche lebt von der Mitwirkung ihrer Mitglieder. Sie ist Beteiligungskirche.

So war die reformierte Kirche von Anfang an gemeint. Beteiligung nimmt das kulturelle und geistliche Kapital ernst, das Menschen mitbringen. Kulturelles und geistliches Kapital ist von unbezahlbarem Wert: Da steckt Potenzial drin für eine gedeihliche Zukunft. Denn, wer sich an der Kirche beteiligt, bewegt sich und bewegt die Kirche, trägt dazu bei, dass sich Kirche verändert, und bringt sich zugleich ein als Teil der ganzen, sich verändernden Kirche. Das Wechselspiel ist nicht endlos, aber fortführend und weiterführend, bis die Beteiligten sagen: das ist vielfältig, das ist unser.

 

Wie können sich von Anfang an alle, die jetzt mitmachen, und alle, die künftig hinzukommen, als Beteiligte verstehen, die das Wachsende ganz als ihre eigene Pflanzung verstehen und zugleich erkennen, Teil eines Ganzen zu sein?

Die zwei Seiten der Kirche …

Die Zürcher Landeskirche hat einerseits stark das Gepräge einer klassischen Institution. Sie steht für Stabilität und Sicherheit. „Die Kirche ist noch im Dorf.“ Andererseits sehnen sich viele ihrer Mitglieder nach mehr Dynamik und Innovation. Die „Fresh Expressions of Faith“ sind Symbol dieser Sehnsucht und ein praktisches Vorbild.

In unseren Kirchgemeinden gibt es bereits viele Ansätze zu einer bewegten und sich bewegenden Kirche: von der Jugendbewegung bis zur „Streetchurch“, zur „Fabrikkirche“ und zu „PACE“ – vom „Ten Sing“ bis zu „roundabout“ – von der „Kirche im Dorf“ zur „Kirche am Weg“ (kabel, Flughafen, Bahnhof, Sihl City, Glattzentrum) – von Ernst Sieber bis zur SOS-Kinderbetreuung – von der Friedensbewegung bis zum Flüchtlingstreff – von den Hauskreisen bis zum Stadtkloster und kleinen christlichen Gemeinschaften.

… und der dritte Weg

Der dritte Weg ist eine „Mixed Economy“. Dieser Weg versucht, beide geschilderten Seiten der Kirche miteinander konstruktiv zu verbinden. Die Stärken der Institution und der Bewegung werden genutzt. Es geht darum, dass beide Seiten einander befruchten. Es geht um eine Balance, in welcher im Zweifelsfall – oder im Glücksfall – die Bewegung den Vorrang bekommt.

Die Mitgliederkirche kann sich zur Beteiligungskirche entwickeln. Kirche für Andere wird Kirche mit Anderen (Partizipation) und Kirche durch Andere (Multiplikation). Kirchliche Orte werden geografisch-lebensräumlich und immer mehr auch thematisch-lebensweltlich definiert. Kirchliche Berufsgruppen beschränken sich nicht auf das „selber tun für Andere“. Sie ermöglichen und fördern Potenziale der Anderen. Sie motivieren in erster Linie Freiwillige zu kirchlichem Engagement; und sie begleiten die Freiwilligen kompetent. Die Doppelungen in der flächendeckenden kirchlichen „Grundversorgung“ werden minimiert. Dafür werden Kräfte frei für neue profilierte Projekte und für neue kirchliche Orte.

 

Bei allen genannten Akzentuierungen geht es um die Kirche mit ihren beiden Seiten. Schwächen jeder Seite sollen reduziert, Stärken beider Seiten profiliert werden. Kirche als Institution leistet einen Service Public und generiert Steuereinnahmen und Staatsbeiträge. Kirche als Bewegung kann spezifische Profile entwickeln. Dadurch kommt sie Menschen in unterschiedlichen Lebenswelten nahe.

 

„Dritter Weg“ und „KirchGemeindePlus“

KirchGemeindePlus zielt auf Zusammenschlüsse zu neuen Kirchgemeinden mit „weiteren“ Konturen. Wie hängt das mit dem dritten Weg zusammen?

Weitere Strukturen animieren dazu, „traditionelle“ Doppelungen („Alle tun gleichzeitig das Gleiche an vielen Orten für immer weniger Menschen.“) zu minimieren und neue Profile herauszukristallisieren. Es kann eine Umlagerung der Ressourcen von den „klassischen“ kirchlichen Orten (von der „Kirche im Dorf“) zu neuen kirchlichen Orten (zur „Kirche am Weg“, zu thematischen Orten) stattfinden.

Diese „Bewegungs-Kirche“ will Menschen in der Vielfalt ihrer Lebenswelten und Lebenslagen gewinnen. Dazu braucht sie grössere Aktionsradien in grösseren Territorien als kritische Masse. Das wird mit dem Zusammenschluss von Kirchgemeinden möglich.

Neue Profile und Projekte erfordern spezifische Kompetenzen beim Personal. Eine Teilspezialisierung der kirchlichen Berufsgruppen, insbesondere des Pfarramts, und eine stärkere gaben- und zielgruppenorientierte Ausrichtung ihrer Arbeit erfordern grössere Aktionsradien. Personelle und finanzielle Ressourcen können in einem grösseren Ganzen koordiniert und effizient eingesetzt werden.

Gleiches gilt auch für die materiellen Ressourcen: Liegenschaften werden in einem weiteren Gestaltungsraum koordiniert und effizient bewirtschaftbar. Hier liegt ein grosses Potenzial noch brach. Der Zusammenschluss von Kirchgemeinden öffnet den Raum zu einem neuen Umgang mit den Immobilien.

Jesus war ein Jude. Für ihn war die Synagoge die gegebene Gemeinschaft. Eine Kirche hat er keine gegründet. Aber er hat Menschen aus ihren Lebenswelten herausgerufen. Ekklesia, das ist wörtlich die Herausgerufene. Und Ekklesiologie ist die Wissenschaft von der Kirche, der Ekklesia. Ekklesiologie beschreibt die Möglichkeiten, als Herausgerufene zu leben, als Herausgerufene zur Gemeinschaft zu werden.

Kirche entfaltet sich in drei Dimensionen: Verkörperung, Nachfolge, Verwandlung. – Erstens die Verkörperung des Christus: Beziehungen entstehen, Menschen werden Gemeinschaft, bilden einen Körper. Die Gemeinschaft verkörpert Christus. Sie wird zur Gemeinde. So wird das Wort Fleisch und wohnt als Gemeinde unter uns (Joh 1,14). Ekklesiologie heisst incarnatio.

Zweitens die Nachfolge der Menschen: In dieser Gemeinschaft kommen Themen ins Gespräch, Werthaltungen, Grundfragen ans Leben und darüber hinaus. Der einzelne Mensch spürt Veränderungen, orientiert sich neu, verhält sich anders. Die Lebenskunst der Bibel gibt ihm dafür leitende Anhaltspunkte. In manchen Fragen macht er eine Kehrtwende. Er richtet sein Leben aus am Leben und Glauben von Jesus Christus. Ekklesiologie heisst imitatio.

Drittens die Verwandlung des Kontexts: Menschen, die ihr Leben an Christus ausrichten, vergegenwärtigen ihn – als Einzelne und erst recht als Gemeinde. Menschen verändern sich selbst dabei, aber auch ihre Kontexte. Ekklesiologie heisst reformatio.

Ekklesiologie prüft, ob Veränderungen auch Verheissungen enthalten: Birgt das Neue die drei Keime von incarnatio, imitatio und reformatio?

Kirche ist uns gegeben – und will neu realisiert werden als lebendige Gemeinschaft von Herausgerufenen. Wie gelingt es uns, „Leib Christi“ zu sein, Christus heute zu „verkörpern“ – als Einzelne und als Gemeinschaft?

Freiwilligkeit in der Gemeinde bedeutet Dienen ohne Verdienst. Und zwar gleich dreifach ohne Verdienst:

1. Nicht bei Gott, denn ich brauche für mein Glück kein Konto guter Werke.
2. Nicht bei Menschen, denn ich brauche für mein Ego keine Performance.
3. Nicht bei mir, denn ich brauche für mein Auskommen keinen Zustupf.

Dienste in der Gemeinde sind keine bezahlbaren Dienstleistungen. Früher nannte man sie Liebeswerke, weil sie nicht Lohnarbeit sind. Dienen allein aus Liebe, Hoffnung, Glaube ist ohne Verdienst (1Kor 13). Freiwilligkeit zerbräche durch Kommerzialisierung dieses Dienens! Wer freiwillig dient, wird immer auch reichlich beschenkt. Wer aus lauterer Liebe gibt, kann auch dankbar nehmen. Dafür braucht es logistisch und funktional gute Rahmenbedingungen. Vor allem aber braucht es Beteiligung schon am Anfang. Freiwillige wollen Partnerinnen und Partner sein.

Freiwillige, die geschätzt sind, verändern die Rollen der Professionellen. Wie andere werden kirchliche Berufe durch Freiwillige aufgewertet. Das gilt insbesondere für den ältesten, den Pfarrberuf. Die Pfarrerin und der Pfarrer der Zukunft spielen in einem Netzwerk. Gute Freiwillige sind dann keine Bedrohung, sondern eine Bereicherung. Sie bilden mit Professionellen ein Netzwerk, einen Organismus.

Gestaltungsräume für Freiwillige gibt es in Fülle. Traditionell ist der soziale Bereich, er bleibt auch dauerhaft wichtig. Doch neue Gebiete erschliessen sich, sobald Gemeinden Profil gewinnen: Kinderhüte, Nachhilfe, Fahrdienst, Haustechnik, Besuchsdienst, Führung, Charity.
Kompetente Freiwillige beteiligen sich gern an Kirche. Aber sie brauchen Kompetenzen: Führungsverantwortung und Fähigkeiten.

 

Erkennen wir die Mitwirkung von Freiwilligen als unentbehrlichen Dienst an der Gemeinde?
Auch Freiwillige haben eine Berufung. Das Netzwerk von Freiwilligen und Professionellen bedarf besonderer Sorgfalt.

 

Etwa 3000 churches, durchschnittlich 40 attenders, mindestens 12 types: Seit 10 Jahren erlebt die Anglikanische Kirche vielerorts einen turnaroundDen starken Schub gab 2004 der Bericht Mission-shaped Church: Eine von Auftrag (& Nachfrage) geprägte Kirche war dort angezeigt. Jetzt gedeihen Gemeinden in allen anglikanisch bestimmten Gebieten der Welt.

Fresh Expressions of Church, das sind Junge Gestalten von Kirche. Fresh schillert zwischen frisch und frech: in jedem Fall unternehmungslustig, grenzgängerisch, innovativ. Expressions meint Gestaltung und Formung, Ausdruck und Expressivität: kontextuell, beteiligt, selbstentworfen, mitgestaltet. Church heisst Kirche und steht anstelle von parish für Parochie: nicht der Institution verpflichtet, sondern der jungen Gemeinde° verbunden. This is our Church sagen die Mitglieder: Wir sind die Kirche!

Vier Adjektive stehen in England im Zentrum:
1
missional: Der Geist führt ins Neuland und lässt dort Gemeinde wachsen.
2 contextual: Sie entwickelt sich aus der jeweiligen Lebenswelt heraus.
3 formational: Sie bildet Menschen und bringt sie in die Kehrtwende des Glaubens.
4
ecclesial: Die Gemeinde wächst sich aus zur Kirche im Sinn der Ekklesiologie.

Die Anglikaner haben für diesen Prozess Rahmenbedingungen gesetzt: Eine Fresh Expression muss sich um Anerkennung bewerben. Dafür erfüllt sie einige Grundbedingungen, die auch geprüft werden. Dann wird sie per bishop ordre anerkannt und erhält kleine Ressourcen. Pfarrer/innen werden als pioneer priests auf längstens sieben Jahre freigestellt. Mitglieder einer Fresh Expression sind Mitglieder der Church of England. Hier verbinden sich Tradition und Innovation, lokal verankerte Kirche und vitale bewegliche Gemeinde.

Hier findet sich auch ein Artikel aus dem notabene, 7/2017, zum Thema Fresh Expressions.

Wo weht ein frischer Wind? Wo spriesst Neues? Und wie  können wir den Weg frei machen für neue Formen und innovative Ideen? Halten wir die Spannung zwischen Tradition und Innovation aus?

Der Prozess KirchGemeindePlus hat nicht Fusionen zum Ziel, sondern Zusammenschlüsse von Kirchgemeinden. Eine Fusion, wie man sie aus der Wirtschaft kennt, ist ein von oben verfügter Zusammenschluss mehrerer Einheiten. Im Prozess KirchGemeindePlus wird der Zusammenschluss von Kirchgemeinden nicht verfügt. Er steht hier am Ende eines Prozesses; er kommt dann zustande, wenn die Mitglieder der beteiligten Kirchgemeinden diesen Zusammenschluss jede für sich demokratisch beschliessen.

Daher spricht der Kirchenrat statt von «Fusion» von «Zusammenschluss». Diesen Ausdruck verwendet er im Sinn von § 10 Abs. 1 des Kirchengesetzes vom 9. Juli 2007 (KiG; LS 180.1); ein Zusammenschluss von Kirchgemeinden entspricht deren Vereinigung gemäss Art. 151 Abs. 2 KO.

Die Gemeinde ist handelndes Subjekt. Wir machen nicht Gemeinde und veranstalten nicht Kirche! Gemeinde ist Verkörperung Christi, nicht Einheit einer Verwaltung. Eine Kirchenreform ist keine Verwaltungsreform! sola scriptura bedeutet nicht sola structura!

Das deutsche Wort Gemeinde übersetzt das lateinische Wort communio. Darin steckt, was Menschen communis ist, was sie gemeinsam haben. Zweierlei Typen des Gemeinsamen sind aber zu unterscheiden: Das Gemeinsame kann geerbt, erworben oder hergestellt sein. Das ist der Fall bei der Bürgergemeinde, im Deutschen bei der Kommune. Wo Gemeinde so vorkommt, ist sie Objekt menschlichen Willens. Das ist auch gut und richtig so. Eine funktionierende Gesellschaft braucht solche Gemeinden.

Anders bei der Kirchgemeinde! Das Gemeinsame ist verliehen, geschenkt, zugeteilt, anvertraut. Gemeinde Jesu Christi ist Subjekt göttlichen Willens.

Das ist für sie entscheidend: Sie ist Leib Christi, seine Verkörperung, Selbstmitteilung Gottes. Er inkarniert sich in seiner Gemeinde wie im Johannesprolog (Joh 1,14). So ist Kirchgemeinde einerseits Teil eines Ganzen, Teil der Kirche, und andererseits bildet sie das Ganze ab. Das gibt ihr zugleich die Autonomie, sich selbst zu sein wie auch Partnerin einer Vielfalt unter anderen zu sein und ihren "Part" wahrzunehmen.

Wie sehen wir unsere (Kirch-)Gemeinde? Wie verhalten sich Gemeinschaft der Glaubenden und Organisation zueinander?

Im "Geschäftsleitungsmodell", einem der Organisationsmodelle, die im Leitfaden "Organisationsmodelle für Kirchgemeinden" beschrieben sind, koordiniert und steuert die Geschäftsleitung die operative Umsetzung der Geschäfte der Kirchgemeinde gemäss Vorgaben und Planung der Kirchenpflege (strategischer Gesamtauftrag).

Die Geschäftsleitung setzt sich zusammen aus allen Teamleitungen der Kirchgemeinde sowie einem Kirchgemeindeschreiber oder einer Kirchgemeindeschreiberin. Letztere Funktion übernimmt den Vorsitz der Geschäftsleitung.

Wählt eine Kirchgemeinde das "Kommissionsmodell" (einem der Organisationsmodelle, die im Leitfaden "Organisationsmodelle für Kirchgemeinden" beschrieben sind), empfiehlt es sich, ergänzend zu den Kommissionen eine Geschäftsstelle für Zentrale Dienste (auch: Zentrale Dienstleistungen) einzurichten. Zu solchen Diensten kann gehören: Sekretariat, Personelles, Finanzen, Aktuariat, Liegenschaften, Information- und Kommunikationstechnik, Marketing, Kommunikation. Diese Geschäftsstelle führt die ihr anvertrauten Bereiche operativ soweit, wie sie ihr von der Kirchenpflege im Rahmen der Kirchgemeindeordnung delegiert werden. Sie unterstützt die Koordination der Kommissionen und der Teams, die Termin- und Ressourcenplanung und führt Protokolle.

Eine Geschäftsstelle kann durch eine Person besetzt werden oder aus mehreren Angestellten bestehen.

Besteht die Geschäftsstelle aus mehr als einer Person, so bestimmt die Kirchenpflege eine geeignete Leitung. Diese Leitung übernimmt in der Regel die Personal- und Fachführung der weiteren Angestellten der Geschäftsstelle. Die Kirchenpflege - in der Regel das Präsidium - wiederum führt die Leitung der Geschäftsstelle in fachlicher und personeller Hinsicht. Diese Zuständigkeiten sind in der Kirchgemeindeordnung entsprechend zu regeln.

Die Kirchensynode hat am 10. Januar 2017 einen Rahmenkredit im Umfang von 2.5 Millionen Franken für Projektbeiträge des Kirchenrats an Kirchgemeinden im Rahmen des Projekts KirchGemeindePlus gesprochen. Der Rahmenkredit steht längstens bis Ende 2023 zur Verfügung. Der Integrationsbeitrag ist eine von drei Arten der Beitragsfinanzierung. Jede Kirchgemeinde hat Anspruch auf einmalige Auszahlung aller drei Beiträge, sofern sie die jeweiligen Bedingungen, niedergelegt in den "Leitlinien zur Ausrichtung von Beiträgen an den Aufwand von Kirchgemeinden im Prozess KirchGemeindePlus" erfüllt und rechtzeitig das entsprechende Gesuch einreicht.

Die Unterlagen finden sich hier im Download-Bereich.

KirchGemeindePlus ist als Begriff neu; KirchGemeindePlus ist auch als Prozess neu. Denn weder hierarchisch von oben nach unten, noch revolutionär von unten nach oben, noch subversiv von quer links oder rechts ist KirchGemeindePlus. Sondern ein Prozess, der von allen Seiten her angeschoben und ausgestaltet wird. KirchGemeindePlus ist zugleich Reformprozess, Strukturprozess, Veränderungsprozess, Entwicklungsprozess. Reform ist er, weil in dieser Zeit die Reformierten neu über Kirche und Kirchgemeinde diskutieren und diese neu gestalten. Strukturen betrifft er, weil die Mitglieder weniger werden und die finanziellen Mittel eingeschränkt sind. Kantonal machen die Reformierten noch knapp 30 Prozente der Bevölkerung aus, wobei dieser Prozentsatz von Region zu Region stark variiert. Darum Veränderungsprozess, weil sich die Aufgabe für die Reformierten in der Gesellschaft verändert. Was ist unsere Aufgabe? Was könnte sie sein? Das macht KirchGemeindePlus zum Entwicklungsprozess.

Dabei geht es auch um theologische Fragen: Ums Loslassen und Aufbrechen, ums Nachfolgen und Beauftragt-Sein, ums Teilen und Verteilen.

Wie gelingt es uns, KirchGemeindePlus zu einem Prozess zu machen, an dem möglichst viele teilnehmen? Entwickeln wir – gemeinsam – das Plus, den Mehrwert dieser grundlegenden Veränderung?

1. Basiseinheiten

Kirchliche Orte sind die Basiseinheiten kirchlichen Lebens in einer Kirchgemeinde. In ihnen manifestiert sich die vitale Vielfalt des gemeinsamen Gestaltens. Kirchliche Orte haben eine Geschichte. Sie entstehen. Sie entfalten sich. Sie bewähren sich. Sie wandeln sich, gehen zu Ende oder in eine neue Form über. Sie liegen im Spannungsfeld von Beständigkeit und Wandel, Kurz- und Langlebigkeit, Tradition und Innovation.

Die kirchlichen Orte sind auch die Basiseinheiten im organisierten Leben der Kirchgemeinde. Die Kirchenpflege definiert und „akkreditiert“ diese Orte nach bestimmten Kriterien. Die Einschätzungen und Beurteilungen können sich je nach Situation und Entwicklung auch wieder ändern.

2. Umfeld und Vielfalt

Kirchliche Orte sind auf vielfältige Weise in ihr Umfeld eingebettet.

-   Kirchliche Orte können sich auf einen geografischen oder sozialen Lebensraum beziehen. Das ist die unmittelbare und vertraute Bedeutung von „Ort“, verwandt mit „lokal“, „territorial“ oder „Heimat“.

-   Kirchliche Orte können sich aber auch an Nahtstellen und Knotenpunkten befinden. Sie richten sich dann nicht an der Stabilität innerhalb eines Territoriums aus. Vielmehr kommen sie der Mobilität der Menschen in Netzen und Netzwerken entgegen. Solche Orte sind an Wegen und Knotenpunkten „verortet“.

-   Schliesslich gibt es Orte, welche relativ losgelöst vom Umfeld – seien es Territorien oder Wege – sind. Sie sind Kristallisationskerne beispielsweise für Bewegungen oder Vergemeinschaftungen. Sie sind „Plattformen“ für Themen und Projekte. Ihre Verortung kann auch virtuell im Internet liegen.

Diese Arten kirchlicher Orte existieren immer in einer konkreten Verortung. Doch ist ihr Bezug auf einen geografischen oder sozialen Raum ganz unterschiedlich.

Im Prozess KirchGemeindePlus werden anfangs die „territorialen Orte“ noch stärker vertreten sein. Mittelfristig dürfte die Vielfalt der Orte zunehmen.

3. Aufgaben und Zielgruppen

Kirchliche Orte werden von ihren Aufgaben und Zielgruppen her definiert. Drei mögliche Polaritäten illustrieren die Vielfalt.

-   Kirchliche Orte können an standardisierten Angeboten für alle orientiert sein. Beispiel für solche Angebote sind: Taufe, Konfirmation, Trauung und Bestattung. – Polar dazu können sich kirchliche Orte an spezifischen Zielgruppen orientieren. Das leitende Interesse der Kirche wäre, diese Gruppen mit zu beteiligen. Beispiel: Kirche für und vor allem mit Familien.

-   Kirchliche Orte können sich in einem einzigen Handlungsfeld mit einem besonderen Auftrag entfalten. Diese „Konzentration“ kann sich aber mit einem vergrösserten Aktionsradius paaren. Beispiel: Notfallseelsorge. Polar dazu kann ein kirchlicher Ort alle Handlungsfelder abdecken. Dann entspricht er stark einer „Kirche am Ort“. Sein Aktionsradius ist begrenzter. Beispiel: Aufbau einer Quartiergemeinde in einem Neubaugebiet.

-   Kirchliche Orte können sich berufsspezifisch oder polar dazu interdisziplinär ausgestalten. Beispiele: Aufbau eines Flüchtlingsnetzes durch eine spezifische Berufsgruppe, nämlich Sozialdiakoninnen und Sozialdiakone sowie freiwillig Engagierte. Polar dazu wäre ein  –  interprofessionelles Care Team inklusive Freiwillige beispielsweise im Strafvollzug denkbar.

4. Organisation

Kirchliche Orte sind Teil der Organisation der Kirchgemeinde. Sie bilden deren Basiseinheiten einer Kirche, welche den Menschen nahe ist. An diesen Orten gewinnen das Gemeindeleben und der Gemeindeaufbau eine inhaltliche Gestalt.

Ein kirchlicher Ort hat klare Strukturen der Zusammenarbeit. Beispielsweise wären das interdisziplinäre Teams aus Angestellten, Gewählten (Pfarrschaft) und „externen“ Personen oder Freiwilligen. Die interdisziplinären Teams vernetzen sich mit ihren Zielgruppen, beispielsweise über Beiräte oder Resonanzgremien. Sie schaffen Gefässe und Strukturen, welche unterschiedliche Formen der Partizipation ermöglichen.

Es gibt unterschiedliche Varianten der Team-Leitung an einem kirchlichen Ort. Beispielsweise eine Sprecherin / ein Sprecher, eine Moderatorin / ein Moderator oder eine leitende Person. Kirchliche Orte können auch eine eigene organisatorische Gestalt – etwa als Verein – annehmen. Je nach Profil und Grösse eines kirchlichen Orts kommt für dessen Führung auch eine Geschäftsleitung in Frage. Die Leitungspersonen eines kirchlichen Orts unterstehen der Kirchenpflege.

Grosse Kirchgemeinden haben eine grössere Zahl kirchlicher Orte. Orte, die einander gleichen oder sich ergänzen, können Gruppen bilden. Deren Leitungspersonen sind dann Mitglieder entsprechender Kommissionen. Diese Kommissionen unterstehen der Kirchenpflege.

Im "Kommissionsmodell", einem der Organisationsmodelle, die im Leitfaden "Organisationsmodelle für Kirchgemeinden" beschrieben sind, wird die mittlere Ebene zwischen Kirchenpflege und Teams mittels Kommissionen gestaltet. Das Gemeindegesetz unterscheidet zwischen eigenständigen und unterstellten Kommissionen. Den Organisationsmodellen liegen ausschliesslich unterstellte Kommissionen zugrunde; nur so kann die Kirchenpflege ihre Steuerungsaufgabe wahrnehmen. Die Kirchgemeindeordnung hat den Bestand dieser Kommissionen festzuhalten. Damit gründen Kommissionen auf einem Entscheid der Stimmberechtigten der Kirchgemeinde. Ergänzend regelt die Kirchenpflege durch Erlass (Reglement, Verordnung) für jede unterstellte Kommission ihre Mitgliederzahl, Zusammensetzung, Aufgaben und Entscheidungsbefugnisse. Zu Anordnungen und Erlassen von unterstellten Kommissionen kann bei der Kirchenpflege eine Neubeurteilung verlangt werden.

Die Kirchenpflege ernennt die Mitglieder von Kommissionen und beaufsichtigt sie. Eine Kommission sollte mindestens drei Mitglieder umfassen, die mindestens die ersten zwei der folgenden drei Gruppen vertreten: Kirchenpflege, Teams (für welche die Kirchenpflege zuständig ist), Engagierte.

Kommissionen erhalten von der Kirchenpflege Aufträge, die sie mit den ihnen von der Kirchenpflege zugewiesenen Teams selbstständig erledigen. Die Kirchenpflege kann die delegierten Aufgaben offener oder detaillierter definieren und dadurch den Kommissionen mehr oder weniger Handlungsautonomie und Entscheidungsbefugnisse gewähren.

Möglich ist auch, dass die Kirchenpflege Personalentscheide an die Kommission delegiert. Die formelle Anstellung von Personal soll allerdings immer über die Kirchenpflege als Anstellungs- und Steuerungsinstanz erfolgen. Denn in jedem Fall sind die Kommissionen der Kirchenpflege unterstellt und können nicht anstelle der Kirchenpflege handeln.

Mit "lebensräumlicher Orientierung" werden kirchliche Orte und Formen bezeichnet, die territorial gefasst sind, d.h. die innerhalb der Fläche eines bestimmten Gebietes Kirche gestalten.

Mit "lebensweltlicher Orientierung" werden kirchliche Orte und Formen bezeichnet, die eine bestimmte Zielgruppe, ein bestimmtes Milieu ansprechen. Diese Orte und Formen zeichnen sich oft aus durch einen hohen Grad von Beteiligung und Mitgestaltung der Teilnehmenden. Sie sind zwar meist an einem konkreten Ort (einer Kirche, einem Industrieareal, einer ehemaligen Beiz, ...) angesiedelt, entwickeln aber regionale oder überregionale Ausstrahlungskraft.

Wir nennen Lebenswelt, was die Sozialforschung ein Milieu nennt. Jeder Mensch gehört zu einer Lebenswelt. Eine Lebenswelt kann man nicht frei wählen. Wie Geschlecht, Hautfarbe, Muttersprache ist sie vorgegeben. Bildung und Biographie versetzen einen aber in andere Lebenswelten – nicht notwendigerweise, aber möglicherweise. Wo ich mal drin war, kann ich von innen her reden. Immer gibt es Lebenswelten,  die ich nur von aussen kenne und nur so über sie reden kann.

Die Studie zu Lebenswelten zeigt, dass die Kirchen zwei von acht Lebenswelten kennen. Bleiben die Kirche bei zwei Lebenswelten, werden sie kleiner, älter, ärmer. Finden sie Zugang zu weiteren Lebenswelten, ergeben sich Chancen, dass sich Kirchen und somit Kirchgemeinden verändern: Dafür gibt es einen alternativen Slogan: näher, vielfältiger, profilierter.

Eine einzelne Lebenswelt bildet weder eine Gemeinde, noch eine Partei oder einen Verein. Immer ist Gemeinde eine Mischung aus mehreren Lebenswelten, oft etwa aus deren drei. KirchGemeindePlus ruft nach Ressourcen für Menschen unterschiedlicher Lebenswelten. Eine Willkommenskultur gegenüber der ganzen Gesellschaft ist gefragt (Art. 5.2 KO): Das bedeutet 10 statt 2!

Welche zwei bis drei Lebenswelten sind in unserer Gemein­de vorherrschend? Wie finden wir Zugang zu weiteren Lebenswelten?

Soll eine punktuelle Zusammenarbeit für einen längeren Zeitraum verbindlich geregelt werden, eignet sich dafür die Form der Leistungsvereinbarung. Eine Leistungsvereinbarung ist ein Vertrag zwischen einer „Vorortsgemeinde“ (Leistungserbringerin) und einer oder mehreren weiteren Kirchgemeinden (Leistungsbezügerinnen). Sie entspricht dem Anschlussvertrag gemäss § 71 des Gemeindegesetzes vom 20. April 2015 (GG).

Mögliche Vertragspunkte einer Leistungsvereinbarung sind:

  • Grundlagen: Vertragsparteien, Vertragsgegenstand
  • Finanzen: Kostentragung/-verteilung, Zahlungsmodalitäten, Vorbehalt Budgetgenehmigung
  • Qualitätssicherung: Kontrolle und Aufsicht
  • Bindung: Vertragsänderungen, Dauer der Vereinbarung, Kündigungsmodalitäten
  • Schlussbestimmungen: Vorbehalt Genehmigung durch Stimmberechtigte (in der Kirchgemeindeversammlung oder an der Urne) und Kirchenrat, Inkrafttreten, Ausfertigung, Unterschriften

Eine Mustervorlage für eine Leistungsvereinbarung findet sich hier unter Downloads.

Es war kein Ökonom, der den Begriff Mixed Economy of Church geprägt hat, sondern es war Rowan Williams, das langjährige Oberhaupt der Anglikaner; der Erzbi­schof von Canterbury hat da vom Markt ein Bild ausgeliehen. Das Gegenbild zeichnet der ältere Slogan One size fits all. Auch vom Markt geliehen und von Williams ins Spiel gebracht: Eine einzige Kleidergrösse für alle Menschen – man stelle sich das vor!

Gemeint ist, dass die Kirche frei wird von Monokulturen. Dass sie hinfinden kann zu unterschiedlichem und profiliertem Handeln. Altes und Neues sollen nicht gegeneinan­der ausgespielt werden. Neues ersetzt Altes nicht, sondern ergänzt es sinnvoll. Was heisst das? Nicht weil etwas alt ist, ist es auch gut und wird fortgeführt. Und nicht weil etwas neu ist, ist es schon gut und wird eingeführt. Sondern das Alte muss beweisen, dass es zukunftsfähig ist. Und das Neue muss beweisen, dass es anknüpfungsfähig ist. Beide aber müssen beweisen, dass sie dem christlichen Auftrag & Nachfrage entsprechen.

Für eine Mixed Economy ist eine bisherige Gemeinde meist zu klein. In der Region aber ermöglicht sie Beteiligung der Verschiedenen und dadurch eine breite Vitalität. Da belebt sie die Diversität von Begabungen und Charismen. Die Mixed Economy setzt einen grösseren und durchlässigen Rahmen. In ihm kann zugleich gespart und investiert werden: Näher, vielfältiger, profilierter in einer Mixed Economy of Church.

Die Kirche will offen sein auf die Gesellschaft hin, für alle Menschen. Profiliert und einladend zugleich. Wo und wie können wir Neues wagen und zugleich den roten Faden – die Ausrichtung am Evangelium – behalten?

Wenn Kirchgemeinden territorial und von ihren Mitgliederzahlen her wachsen (beispielsweise durch Zusammenschlüsse), ruft das auch nach einer Anpassung ihrer Organisation - in Struktur und Arbeitsweise. Der Leitfaden "Organisationsmodelle für Kirchgemeinden" zeigt mögliche Organisationsmodelle für solch gewachsene Kirchgemeinden auf, namentlich das Geschäftsleitungsmodell und das Kommissionsmodell. Er definiert exemplarisch Aufgaben- und Zuständigkeitsbereiche verschiedener Gremien und Organe und beschreibt ihr Zusammenspiel in einer Kirchgemeinde. Diese Modelle bauen auf dem auf, was sich in grösseren Kirchgemeinden der Zürcher Landeskirche bereits bewährt hat. Sie bieten Unterstützung, das kirchliche Leben zu strukturieren.

Als Kirchgemeinde können Sie sich von Fachleuten durch den anspruchsvollen Prozess KirchGemeindePlus begleiten lassen. Solch erfahrene und professionelle Prozessbegleitungen unterstützen Sie in verschiedenen Phasen: Beispielsweise klären sie gemeinsam mit Ihnen die nötigen Schritte. Sie entwickeln mit Ihnen und Ihren Nachbargemeinden allparteilich Perspektiven. Sie übersetzen, stossen den Prozess wiederholt an und machen auf Stolpersteine aufmerksam.

Sofern Ihr Projekt einen Zusammenschluss der beteiligten Kirchgemeinden zum Ziel hat, leistet die Landeskirche Kostenbeiträge an die Prozessbegleitung. Eine Prozessbegleitung ist auch nach einem Zusammenschluss sinnvoll, wenn es darum geht, die unterschiedlichen Kulturen zusammenzubringen und eine neue - vielfältig profilierte - Identität zu entwickeln. Auch diesen Integrationsprozess unterstützt die Landeskirche mit Kostenbeiträgen.

Die Unterlagen zu den Kostenbeiträgen finden Sie hier im Download-Bereich.

„nahe, vielfältig und profiliert“. So soll die Kirche der Zukunft bleiben und neu werden. Und so war die Kirche schon zur Zeit der Reformation. Mit ihr beginnt die Vorgeschichte der Reform "KirchGemeindePlus".  Sie hat den nahen Gott wieder entdeckt, die Nähe zum Volk gesucht und ihm „aufs Maul geschaut“. Ihr allgemeines Priestertum ist eine Aufforderung zur Vielfalt. Und die reformierte Ahnengalerie profilierter Frauen und Männer ist beeindruckend.

Ecclesia semper reformanda ist der Ruf der Reformation. Er trifft den Inhalt und die Form, unser Herz und unsere Strukturen.

Regionalisierung ist ein Prozess. Er ist seit Jahrzehnten im Gang, zum Beispiel durch spezielle Einrichtungen wie Krankenhäuser, Möbelhäuser, Geburtshäuser, Ärztehäuser… Die Bedeutung heutiger Gemeinden verändert sich; und sie sind nicht natürlichen Ursprungs, sondern haben sich gebildet durch politische Entscheidung. Damals war die Regionalisierung die Entwicklung vom Gehöft oder vom Weiler hin zur heutigen Gemeinde. Heute ist es die Entwicklung zur Region. Und es sind immer die Menschen, die es entwickeln, manchmal unter Druck, aber immer mit dem freien Willen, das zu Entwickelnde selbst zu gestalten.

Der gemeinsame Wille kann konservativ heissen: Man versteht den Bezirk politisch als Region. Man löst alle Gemeinden des Bezirks teilweise oder ganz auf und bildet eine regionale föderale Gemeinde. Man überträgt viele oder alle Funktionen auf diese neue Gemeinde.

Der gemeinsame Wille kann progressiv heissen: Man erarbeitet in einem Prozess eine sozial qualifizierte Region. Jede Gemeinde hat ihre Aufgabe für ihren Raum; jede Gemeinde übernimmt Aufgaben für das Ganze. Das ergibt Vitalität, Austausch, Verbindung und Profil. Was ist im Dorf und Weiler wichtig? Was entwickelt man zwischen zwei, drei, vier, fünf Dörfern? Was löst man gemeinsam als Region, vielleicht auch über Bezirksgrenzen hinweg?

Weiler, Dorf, Region, Bezirk, Kanton sind Lebensräume mit Wechselwirkungen. Das Bezugssystem müsste entwickelt werden; denn es ginge um eine neue Form, sich als Gesellschaft zu bilden.

Wie wagen wir es, ohne vorauseilende Zensur im Kopf, progressi­v bis zur bestmöglichen oder auch heute undenkbaren Wende durchzudenken und durchzurechnen, um dann das Beste zu entdecken, das allen zum Guten gereicht?

Subsidiarität ist eine eigene reformierte Entwicklung! 1571 hat die Synode von Emden es für das Kirchenrecht formuliert: Die Kirchensynode solle nur behandeln, was Kirchenpflegen nicht entschieden haben oder entscheiden können, was alle Teile der Landeskirche gleichermassen angeht. 1602 hat der reformierte Althusius den Grundsatz für die Politik formuliert: Auch die politische Gemeinde sei im Fall eigener Unzulänglichkeit auf Unterstützung von oben angewiesen, wie in der Bibel aber Teil eines Bundes aus gleichberechtigten Teilen.

Subsidiarität meint also: Was im Kleinen nicht getan werden kann, wird dem nächst Grösseren anvertraut. Dies wahrt die Selbstbestimmung und fördert die Eigenverantwortung. Sie ist fundamental in föderalen, also am Bund orientierten Staaten.Ethisch ist sie ein tragendes Element in der sozialen Marktwirtschaft. In der Schweiz prägt sie die bottom-up-Struktur des politischen Systems, von unten nach oben. Unser Land und unsere Gesellschaft ticken grundlegend subsidiär: Was der kleinere Bereich gut löst, muss der grössere nicht lösen. Wo der kleinere nicht weiter kommt, unterstützt ihn der grössere.

Subsidiarität ist ein Grundsatz der Vernunft, nicht der Willkür. Sie ist eine demokratische Konvention, kein nice to have. Sie schützt die Verantwortung, nicht die Autonomie. Sie will Probleme lösen, nicht Bestände wahren. Was die Probleme sind, was eine Gemeinde leisten kann und was nicht, das muss sie regelmässig überprüfen. Das genau ist ein Prozess, ein Voranschreiten im Erkennen, wozu man imstande ist für die kommenden Jahre und wozu nicht. Es kann dabei durchaus sein, dass sich dadurch Grenzen verschieben, Räume der Verantwortung grösser oder kleiner werden. Die Gemeinde ist keine heilige Grösse, sondern eine Konstruktion der Geschichte. Geschichte schreibt man bekanntlich immer wieder neu.

Welche der anstehenden Probleme können wir aus eigener Kraft gut lösen und wo fühlen wir uns unzulänglich ausgerüstet, sind auf Unterstützung angewiesen?

Teams erhalten von der Kirchenpflege ihre spezifischen Aufgaben und personelle Teambesetzungen - zeitlich befristet oder unbefristet - zugewiesen. Teams mit ihren Aufträgen sind damit entscheidende Elemente des Gemeindeaufbaus. Sie bilden das operative Gegenstück zur strategischen Leitung der Kirchgemeinde. In der Regel sind sie interdisziplinär zusammengesetzt und verantworten das kirchliche Leben an einem bestimmten kirchlichen Ort. Weitergehende Erläuterungen zu den Teams finden Sie in den Organisationsmodellen für mittlere und grössere Kirchgemeinden.

Im Mittelalter galt lange das Prinzip der Präsenz: Entscheidend war, bis wohin der Arm von König oder Bischof reichte. Darum war der Herrscher oft in seinem Reich von Pfalz zu Pfalz unterwegs. Zeigte er keine Präsenz, war ihm auch sein Reich und demzufolge seine Reichweite nicht sicher. Mit der Kolonisierung der neuen Welt galt neu das Prinzip der Territorialität. Die Welt wurde zwischen den Herrschermächten aufgeteilt; Spanien und Portugal machten es in Südamerika vor, andere folgten in Afrika und Asien. Die Welt wurde vermessen und dank neuen Techniken, Verwaltungen, Märkte und neuer Kartographie die Territorialität zum Prinzip von Reich, Land, Bezirk und Gemeinde.

Eine andere Form pflegten die Alemannen; sie nutzten jene Felder und Landstriche, die sie für ihren Bedarf benötigten; zwischendurch blieb ein Feld unbestellt und lag brach. Dadurch war eine Vielfalt von Kulturland möglich. Dieses Prinzip ist typisch für weite Landstriche in der Schweiz. Wo indessen Parzellen und Kataster definiert wurden und auf die Tradition von Brache und Allmend stiessen, kam es zu Konflikten. Im Raum Einsiedeln ist dies heute noch zu beobachten; und Geschichten wie jene vom Marchelauf zum Urnerboden zeugen von genau diesen Unterschieden.

Bis 1803 hatte Zürich eine reformierte Staatskirche. Bis 1848 wurde territorialer Kirchenbesitz eingezogen und säkularisiert. Bis 2009 verschwanden die Historischen Rechtstitel auf dieses Eigentum. Unverändert ist bei vielen aber das Bewusstsein der Territorialität: Unterstrichen durch die helvetische Struktur von unten nach oben. cuius regio eius congregatio: Das ist das Grundmuster. Die Kirchgemeinde ist so territorial wie die Bürgergemeinde. Die Gemeindearbeit so autonom wie möglich. Längst aber ist Territorialität nicht mehr allein ausschlaggebend. Die Bewegungsräume sind heute individuell und interessenbestimmt. Das Territorium definiert nicht mehr den persönlichen Rayon. Den Dorf-Arzt, den Dorf-Lehrer gibt es nur noch in der Minderzahl. Mobilität, Medialität und Interdisziplinarität setzen sich über Grenzen hinweg und setzen neue Räume frei.

Territorial sind die Fragen der Kirche heute nicht mehr zu lösen! Aber jede Lösung muss sich auch territorial bewähren können! Die Region mit ihrer mittleren Reichweite entgrenzt bisherige Territorialität - ohne Dorffürsten oder Pfalzgrafen. In ihr bilden sich die immer erneuernde Präsenz und Reichweite von Menschen als Gesellschaft, solcher, die kirchliche Mitglieder sind, solcher, die es werden.

Was verlieren wir, was gewinnen wir, wenn die Territorialität zwar bleibt, aber die Gemeinde Aufgaben für die Region übernimmt? Was, wenn die Region ins Dorf kommt, über die Gemeinden hinweg? Was wenn die Gemeinde die Grösse von Mobilität und Interdisziplinarität annimmt und den Bezirk ablöst?

Diversität ist in uralter Tatbestand: Die älteste ist die Biodiversität der Natur, älter als der Mensch. Die Vielgestaltigkeit der Schöpfung. Sie mag Monokulturen nicht. Sie liebt die vielen Versionen und schafft Vielfalt. Die Biodiversität der Natur nahe dem Äquator bezeugt es überwältigend. Sie bedeutet dort grössten Artenreichtum auf kleinster Fläche: Zweihundert Baumarten, wo bei uns drei oder vier vorkommen. Oder nur eine, wenn ein ökonomisches Forstprogramm es bestimmt. Regenwald und Plantage sind Gegensätze, die grösser nicht sein können. Dabei entsteht Biodiversität nicht auf fetten Böden, sondern auf mageren. Der Regenwald ist vierstöckig und hat nirgends gleiche Bedingungen. Ein Zusammenleben in unglaublicher Vielfalt ist entstanden.

Das ist eine Parabel, auch für die Kirche, für die Kirchgemeinde. Die Schöpfung lehrt das nachhaltigste diversity management. Nicht eine kirchliche Monokultur, sondern eine Vielfalt entspricht der schöpferischen Idee. Daran orientieren sich auch Architekten, Designer und Entwickler, Wirtschaft und Soziologie.

Create! Don’t clone! rät auch die anglikanische Kirche, wenn es um das Ausgestalten von Kirchgemeinde geht: Entwickelt Verschiedenes! Vervielfältigt nicht dasselbe!

Wie entdecken wir die eigene Diversität, auch die in unseren Gemeinden? Wie lassen wir liebend zu, dass Verschiedenes wächst und wir somit dem Auftrag näher kommen, allen nah zu sein und alle an der Kirche sich beteiligen zu lassen?

vielfältig – nahe – profiliert

Vielfältig wie Gottes Schöpfung.

Unterschiedlichste Menschen gestalten unsere Kirche und geben dem Evangelium ihren persönlichen Ausdruck. In dieser Vielstimmigkeit spiegelt sich der Reichtum der Schöpfung.

Als Reformierte Kirche sind wir demokratisch organisiert und vertrauen darauf, dass im Hören auf biblische Texte in Gottesdienst und freier Diskussion die Wahrheit aufleuchtet, die uns weiterführt.

Nahe dank Jesus Christus.

Wir feiern und bezeugen, dass Gott den Menschen nahe ist.

Als Reformierte Kirche schaffen wir in Kirchgemeinden und Institutionen verlässliche Räume konkreter Zuwendung und Gemeinschaft.

Profiliert in der Kraft des Heiligen Geistes.

Über die Grenzen unserer Kirche hinaus sind wir bestrebt, dem Wohl aller Menschen zu dienen.

Als Reformierte Kirche engagieren wir uns für eine generationübergreifend solidarische und nachhaltig verantwortungsvolle Gestaltung unserer Gesellschaft.

Die Kirchenordnung vom September 2010 formuliert in ihren ersten acht Artikeln die theologischen Grundlagen der Evangelisch-reformierten Landeskirche des Kantons Zürich. Lesen Sie hier den Originaltext.

Die Kirchensynode hat am 10. Januar 2017 einen Rahmenkredit im Umfang von 2.5 Millionen Franken für Projektbeiträge des Kirchenrats an Kirchgemeinden im Rahmen des Projekts KirchGemeindePlus gesprochen. Der Rahmenkredit steht längstens bis Ende 2023 zur Verfügung. Der Zusammenschlussbeitrag ist eine von drei Arten der Beitragsfinanzierung. Jede Kirchgemeinde hat Anspruch auf einmalige Auszahlung aller drei Beiträge, sofern sie die jeweiligen Bedingungen, niedergelegt in den "Leitlinien zur Ausrichtung von Beiträgen an den Aufwand von Kirchgemeinden im Prozess KirchGemeindePlus" erfüllt und rechtzeitig das entsprechende Gesuch einreicht.

Die Unterlagen finden sich hier im Download-Bereich.