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Kirchliche Orte

1. Basiseinheiten

Kirchliche Orte sind die Basiseinheiten kirchlichen Lebens in einer Kirchgemeinde. In ihnen manifestiert sich die vitale Vielfalt des gemeinsamen Gestaltens. Kirchliche Orte haben eine Geschichte. Sie entstehen. Sie entfalten sich. Sie bewähren sich. Sie wandeln sich, gehen zu Ende oder in eine neue Form über. Sie liegen im Spannungsfeld von Beständigkeit und Wandel, Kurz- und Langlebigkeit, Tradition und Innovation.

Die kirchlichen Orte sind auch die Basiseinheiten im organisierten Leben der Kirchgemeinde. Die Kirchenpflege definiert und „akkreditiert“ diese Orte nach bestimmten Kriterien. Die Einschätzungen und Beurteilungen können sich je nach Situation und Entwicklung auch wieder ändern.

2. Umfeld und Vielfalt

Kirchliche Orte sind auf vielfältige Weise in ihr Umfeld eingebettet.

-   Kirchliche Orte können sich auf einen geografischen oder sozialen Lebensraum beziehen. Das ist die unmittelbare und vertraute Bedeutung von „Ort“, verwandt mit „lokal“, „territorial“ oder „Heimat“.

-   Kirchliche Orte können sich aber auch an Nahtstellen und Knotenpunkten befinden. Sie richten sich dann nicht an der Stabilität innerhalb eines Territoriums aus. Vielmehr kommen sie der Mobilität der Menschen in Netzen und Netzwerken entgegen. Solche Orte sind an Wegen und Knotenpunkten „verortet“.

-   Schliesslich gibt es Orte, welche relativ losgelöst vom Umfeld – seien es Territorien oder Wege – sind. Sie sind Kristallisationskerne beispielsweise für Bewegungen oder Vergemeinschaftungen. Sie sind „Plattformen“ für Themen und Projekte. Ihre Verortung kann auch virtuell im Internet liegen.

Diese Arten kirchlicher Orte existieren immer in einer konkreten Verortung. Doch ist ihr Bezug auf einen geografischen oder sozialen Raum ganz unterschiedlich.

Im Prozess KirchGemeindePlus werden anfangs die „territorialen Orte“ noch stärker vertreten sein. Mittelfristig dürfte die Vielfalt der Orte zunehmen.

3. Aufgaben und Zielgruppen

Kirchliche Orte werden von ihren Aufgaben und Zielgruppen her definiert. Drei mögliche Polaritäten illustrieren die Vielfalt.

-   Kirchliche Orte können an standardisierten Angeboten für alle orientiert sein. Beispiel für solche Angebote sind: Taufe, Konfirmation, Trauung und Bestattung. – Polar dazu können sich kirchliche Orte an spezifischen Zielgruppen orientieren. Das leitende Interesse der Kirche wäre, diese Gruppen mit zu beteiligen. Beispiel: Kirche für und vor allem mit Familien.

-   Kirchliche Orte können sich in einem einzigen Handlungsfeld mit einem besonderen Auftrag entfalten. Diese „Konzentration“ kann sich aber mit einem vergrösserten Aktionsradius paaren. Beispiel: Notfallseelsorge. Polar dazu kann ein kirchlicher Ort alle Handlungsfelder abdecken. Dann entspricht er stark einer „Kirche am Ort“. Sein Aktionsradius ist begrenzter. Beispiel: Aufbau einer Quartiergemeinde in einem Neubaugebiet.

-   Kirchliche Orte können sich berufsspezifisch oder polar dazu interdisziplinär ausgestalten. Beispiele: Aufbau eines Flüchtlingsnetzes durch eine spezifische Berufsgruppe, nämlich Sozialdiakoninnen und Sozialdiakone sowie freiwillig Engagierte. Polar dazu wäre ein  –  interprofessionelles Care Team inklusive Freiwillige beispielsweise im Strafvollzug denkbar.

4. Organisation

Kirchliche Orte sind Teil der Organisation der Kirchgemeinde. Sie bilden deren Basiseinheiten einer Kirche, welche den Menschen nahe ist. An diesen Orten gewinnen das Gemeindeleben und der Gemeindeaufbau eine inhaltliche Gestalt.

Ein kirchlicher Ort hat klare Strukturen der Zusammenarbeit. Beispielsweise wären das interdisziplinäre Teams aus Angestellten, Gewählten (Pfarrschaft) und „externen“ Personen oder Freiwilligen. Die interdisziplinären Teams vernetzen sich mit ihren Zielgruppen, beispielsweise über Beiräte oder Resonanzgremien. Sie schaffen Gefässe und Strukturen, welche unterschiedliche Formen der Partizipation ermöglichen.

Es gibt unterschiedliche Varianten der Team-Leitung an einem kirchlichen Ort. Beispielsweise eine Sprecherin / ein Sprecher, eine Moderatorin / ein Moderator oder eine leitende Person. Kirchliche Orte können auch eine eigene organisatorische Gestalt – etwa als Verein – annehmen. Je nach Profil und Grösse eines kirchlichen Orts kommt für dessen Führung auch eine Geschäftsleitung in Frage. Die Leitungspersonen eines kirchlichen Orts unterstehen der Kirchenpflege.

Grosse Kirchgemeinden haben eine grössere Zahl kirchlicher Orte. Orte, die einander gleichen oder sich ergänzen, können Gruppen bilden. Deren Leitungspersonen sind dann Mitglieder entsprechender Kommissionen. Diese Kommissionen unterstehen der Kirchenpflege.