Zusammenkommen: Wie weiter?

Sonja Kilchmann, Vize-Präsidentin der Kirchenpflege Hausen a. A. und Mitglied im Projektteam KirchGemeindePlus im Bezirk Affoltern, erzählt:

Sonja Kilchmann

1. Oktober 2020: Frau Kilchmann, wie geht es Ihnen drei Tage nach der Urnenabstimmung?

Ich freue mich noch immer. Besonders darüber, dass alle Kirchgemeinden deutlich zugestimmt haben. Das heisst, wir haben unsere Arbeit gut gemacht. Wir können also fortfahren.

In der Diskussion um das Für und Wider ging es ja heiss her. Wie gehen Sie mit skeptischen Stimmen um?

Sachlich geäusserte Kritik und Befürchtungen nehme ich ernst und messe unsere Arbeit daran: Können wir das Projekt, die spätere Kirchgemeinde so gut gestalten, dass die Ängste unbegründet bleiben? In diesem Sinne haben Skeptiker eine gewichtige Rolle. Sie helfen uns, besser zu werden. Über Polemiken rede ich nicht. Aber ich bin und bleibe für jeden und jede gerne Gesprächspartnerin.

Sie sind im siebenköpfigen Projektteam, das den Zusammenschluss auf den 1.1.2022 hin vorbereitet. Was waren und sind Ihre Aufgaben?

Unser siebenköpfiges Projektteam existiert seit Anfang 2018. Da haben wir mit den Verhandlungen zum Zusammenschluss begonnen. Wir haben untereinander aufgeteilt, was zu tun ist. Arbeitsgruppen unterstützen uns immer wieder. In diesem Kontext war ich zuständig für gemeindeübergreifende Anlässe wie etwa den Jugendleiter-Kurs 2019 oder Sing-Veranstaltungen. Meine Arbeitsgruppe hat auch initiiert, dass die Angebote der Gemeinden miteinander verglichen und untereinander kommuniziert werden. Es ist erstaunlich, wie unterschiedlich die Angebote heute schon sind: Die eine Gemeinde bietet rollstuhlgerechte Seniorenferien an, begleitet von einer Krankenschwester. Die nächste offeriert den Senioren Wanderferien. Nur wussten bisher vielleicht die Menschen in einem Ort nichts von der Alternative im Nachbarort.

Sie freuen sich merklich auf den Zusammenschluss…

Ja! Denn eine Vielfalt öffnet sich für die Gemeindeglieder. Sie könnten zwar schon heute bei einer anderen Kirchgemeinde an Angeboten teilnehmen, aber künftig werden sie besser informiert sein: Anstatt sich selbst darum kümmern zu müssen, was in den anderen Kirchgemeinden läuft, informieren eine Webseite und ein Gemeindeblatt, frei Haus geliefert, darüber. Das Gefühl wird auch anders sein: Wir sind dann eins. Und die Dualität ist super: Einiges findet sinnvollerweise in den einzelnen Orten statt, nicht zuletzt, weil einige Gemeindemitglieder weniger mobil sind als andere. Anderes können wir als Grossgemeinde besser regional und gemeinsam stemmen. Beispielsweise hat heute nicht jede Kirchgemeinde jemanden in der Jugendarbeit angestellt.

Haben Sie in Ihrer Projektarbeit gemerkt, dass Sie es mit neun verschiedenen Kirchgemeinden zu tun haben?

Ja. Bei der Planung und Durchführung von Anlässen war quasi neunmal darauf zu achten, wer was zahlt, wer was bewilligen soll und wer informiert werden muss. Dieser lästige Effekt wird später wegfallen. Grundsätzlich hat die Arbeit mit den neun Kirchgemeinden mir viele Highlights beschert. Ich finde es toll, dass ich immer wieder neue Leute kennenlernen darf, die Lust haben, das kirchliche Leben zu gestalten. Es ist bereichernd, mich mit ihnen auszutauschen und mit ihnen zusammen zu arbeiten. So sind wir uns allein schon durch das Projekt nähergekommen.

Können Sie nun die Zeit bis zum juristischen Zusammenschluss entspannt geniessen?

Oh. Vom Sommer bis zum Urnengang war es etwas ruhiger. Jetzt beginnt eine arbeitsreiche Zeit: Viele Details für die zukünftige Kirchgemeinde gilt es nun auszuarbeiten. Der Leitfaden für Zusammenschlüsse lässt ja erahnen, was es noch zu tun gibt. Monatlich haben wir Projektsitzungen. Dazwischen tagen die verschiedenen Arbeitsgruppen „Organisation und Recht“, „Finanzen und Liegenschaften“, „Kommunikation“, „Gemeindeentwicklung“ und „Pfarramt“. Ich bin nicht nur im Projektteam, sondern auch in mehreren dieser Arbeitsgruppen. Hinzu kommt, dass wir für November einen Anlass für Mitarbeitende und die Kirchenpflegen vorbereiten, um sie zu informieren und in den Prozess einzubinden. Als nächstes müssen wir uns nochmals an den Namen der Kirchgemeinde wagen: Neben dem bisher gewählten Namen „Knonauer Amt“ kommt immer wieder der Name „Säuliamt“ ins Gespräch.

Trotz grosser Arbeitslast bin ich froh, dass wir vorankommen. Seit 2015 war die Idee des Zusammenschlusses im Raum. Jetzt wird sie endlich konkret!

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